Rheinlandtaler für Humba-Vorstand
Jan Krauthäuser, Humba-Mitbegründer und e.V.-Vorsitzender etc., wurde
am 14.04.2011 für seine Verdienste um die kulturelle Entwicklung des
Rheinlands vom Landschaftsverband Rheinland, LVR ausgezeichnet.

Laudatio zur Verleihung des Rheinlandtalers des Landschaftsverband
Rheinland (LVR)
Jan Krauthäuser wird für seine Verdienste um die interkulturelle
Verständigung und die Förderung der regionalen Musikkultur
ausgezeichnet.
Köln, den 14. April 2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des Landschaftsverbandes Rheinland möchte ich Sie herzlich
zu der heutigen Feierstunde begrüßen. Ich freue mich, dass wir heute
gleich vier Persönlich-keiten mit dem Rheinlandtaler auszeichnen können:
Herrn Hermann Hertling, Herrn Jan Krauthäuser, Herrn Willi Reisdorf und
Herrn Prof. Dr. Arnold Wolff.
Sie alle haben sich um die Kulturarbeit hier im Rheinland verdient gemacht,
in der Denkmalpflege, in der Mundart- und Heimatpflege und in der
Kulturzusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Nationalität.
Meine Damen und Herren,
Internationalität und kulturelle Vielfalt kennzeichnen den Wandel unserer
zunehmend globalisierten Welt, in der die Menschen über alle Grenzen
hinweg in Bewegung sind. Diesen gesellschaftlichen Wandel positiv zu
gestalten gehört zu den vornehmlichsten Aufgaben des Landschaftsverbandes
Rheinland.
Und damit komme ich direkt zu Ihnen, sehr geehrter Herr Krauthäuser,
denn Sie haben sich stets für das konstruktive Miteinander unterschiedlicher
Kulturen in unserer Stadt eingesetzt. Als Mittel der Verständigung diente
Ihnen dabei vor allem die Musik.
Meine Damen und Herren,
Herr Krauthäuser hat sich seit vielen Jahren um die Förderung der regionalen
Musikkultur verdient gemacht. Bereits als Schüler begann er, Konzerte zu
organisieren. Später gründete er den Verein „Humba e.V.“, der sich formiert
hat, um der blühenden musikalischen Vielfalt dieser Stadt eine Bühne zu bieten.
Dabei geht es um eine Verbindung von „kölscher“ Musik und internationalen
musikalischen Einflüssen aus verschiedenen Kulturen. Die heimische Musik
tritt in einen fruchtbaren Dialog mit der Musik der Welt: Kölsche Lieder,
gemischt mit brasilianischen Trommelrhythmen und Südseeklängen der
Ukulele. Die Musik durchbricht Barrieren zwischen Lebenswelten und schafft
Harmonie zwischen Kulturen – Weltmusik mitten in Köln.
Und wo und wann lassen sich regionales Brauchtum und mitreißende Tanz-
musik besser kombinieren als im Kölner Karneval! Höhepunkt des Veranstal-
tungsprogramms des Humba e.V. ist seit 17 Jahren die „Humba-Party“.
Jedes Jahr zur Karnevalszeit präsentiert dieses Festival unter dem Motto
„kölsch-international“ ein buntes Weltmusik-Programm vom Allerfeinsten.
Dabei geht es nicht nur um "multikulti", sondern um eine generationen-
und genreübergreifende, experimentierfreudige Festkultur. Mit dem
Weltmusik-Festival, meine Damen und Herren, setzt der Verein Humba e.V.
jedes Jahr ein Zeichen für die Liberalität und Weltoffenheit der Kölner.
Wie originell und innovativ die Kulturprojekte von Herrn Krauthäuser sind,
zeigt auch das folgende Beispiel:
Was verbinden Sie, meine Damen und Herren, mit dem Begriff Schreber-
garten? Sicherlich kein nationale wie kulturelle Grenzen überschreitendes
Musikprogramm. Genau das stand aber im Mittelpunkt der „Humba-
Schrebergarten-Touren“, die der Verein vor einigen Jahren in den Kleingarten-
anlagen der Kölner Vorstädte veranstaltete. Hier traf der Schrebergarten –
als sozusagen „urdeutscher“ Ort – auf die Musik anderer Erdteile. Der Reiz
dieses Projekts ist wiederum die besondere Spannung zwischen der vertrauten,
heimischen Kultur und unbekannten, fremden Kulturen.
Auf die Initiative von Herrn Krauthäuser geht auch das Kölner „Edelweiß-
piratenfestival“ zurück, das 2005 zum ersten Mal gefeiert wurde. Die
Veranstalter bezeichnen dieses Festival zu Recht als „lebendiges Denkmal
zu Ehren der unangepassten Jugend der Nazizeit“. 2010 präsentierte das
Festival die Lieder, die von den Jugendlichen im Geiste des Widerstands
gesungen wurden und die heute von ganz unterschiedlichen Musikern für
unsere Gegenwart neu interpretiert werden. Das Projekt, das Herr Kraut-
häuser als Vorsitzender des „Edelweißpiratenclubs“ mit verantwortet, steht
für eine ganz besondere Form der Erinnerungskultur. Der LVR hat das
Projekt deshalb finanziell unterstützt und ermöglichte die Herausgabe
eines Liederbuches und einer CD „Gefährliche Lieder: Lieder und Geschichten
der unangepassten Jugend im Rheinland 1933-1945“, welches wir hier im
vergangen Jahr auch vorgestellt haben.
Sehr geehrter Herr Krauthäuser,
Ihr Thema war immer die Begegnung zwischen der heimischen, sprich der
„kölschen“ Kultur und fremden Kulturen, denen Sie mit persönlicher Ent-
deckerfreude nachgespürt haben. Mit Ihren Projekten haben Sie wichtige
Impulse gesetzt für das friedliche kulturelle Miteinander hier in Köln. Dafür
möchte ich Ihnen im Namen des Landschaftsverbandes Rheinland danken!
(es gilt das gesprochene Wort)
Jutta Eckenbach
Stellvertretende Vorsitzende der
Landschaftsversammlung Rheinland

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........ Artikel aus „Folker!“ 1/2009 (Rohfassung) .........

Kölscher Melting Pot der Kulturen
Humba Efau - Ein Verein gegen Narrenlärm

Was haben die Elfenbeinküste und der Kölner Karneval
gemeinsam? Für Jan Krauthäuser eine ganze Menge.
Die Neugier nach dem originalen Klang trieb den Urkölner
von der Schäl Sick vor Jahren an die Westküste Afrikas.
Dort fand er viel Interessantes, aber wenig Authentisches,
was nicht von westlichen Musikstilen beeinflusst war.
Zurück in Köln stand die umgekehrte Frage im Raum:
Wie nah sind wir den eigenen musikalischen Wurzeln?
Jan Krauthäuser begab sich auf Spurensuche und zwar
in einem Bereich, der für ihn am aktivsten regionale
Eigenheiten überliefert und weiterentwickelt: der Karneval.

Von Sylvia Systermans

„Narrenlärm – wie schlecht ist die Kölner Karnevalsmusik?“
Mit dieser Frage im Gepäck suchte der Grafiker und
Journalist Jan Krauthäuser Anfang der 90er Jahre für
eine WDR-Sendung nach Antworten. Diesmal nicht in
Afrika, sondern auf dem Kölner Altermarkt. Die Ausbeute:
grölende Bierseligkeit, Schlager-Dudelei und uniformiertes
Getrommel. Eine bunte Mischung, aber wenig einladend.
Jan Krauthäuser grub eine Schicht tiefer, fand Gleichgesinnte,
entdeckte Unerwartetes. Und gründete einen Verein: den
Humba Efau. „Karneval in Köln musikalisch aufwerten“, so
fasst er die Idee von Humba Efau zusammen. Der Auftrag
an einheimische und zugereiste Musiker lautete: „Macht uns
eure Definition von Kölner Karnevalsmusik. Was würdet ihr
gerne in der Kneipe hören oder auf der Party spielen?“

Erkenntnisse für das Eigene

Das war vor 14 Jahren. Da hatte sich der alternative Karneval
mit Geisterzug und Stunksitzung schon Straßen und Räume
erobert und die „Bläck Fööss“ und „De Höhner“ längst ihre
rockig-poppige Lesart des Kölner Karnevals unters Volk
gemischt. Auf den Partys von Humba Efau sollte nun
zusammenfließen, was sonst wohl kaum zueinander
gefunden hätte. Folk und Jazz aus Übersee mit „kölsche Tön“
von Nebenan, gemäß der Humba- Philosophie, dass Neugier
auf Fremdes immer auch neue Erkenntnisse fürs Eigene bringt.
Seitdem steht sie bei den Humba-Partys nun also alljährlich
auf der Bühne: eine Musikszene, die im offiziellen Veranstal-
tungskarussell der Stadt kaum präsent ist. Selbstbewusst
kölsch und interkulturell. Mit der „Pudelbande“ hatte Jan
Krauthäuser zu Beginn von Humba bereits den kölschen
Originalklang gefunden. Einen Damenkegelklub aus Köln-Kalk,
in dem noch gesungen wurde: mündlich überlieferte Leedcher
un Verzällcher aus einer Zeit, in der noch kein CD-Player die
Beschallung von Gaststätten übernommen hat. Heimatliche
Klänge, die, so Jan Krauthäuser, in der alternativen Intellek-
tuellenszene lange nicht wahrgenommen wurden, „weil dort
die eigene Volksmusikkultur als wertlos und nicht erhaltenswert
angesehen wird. In Afrika oder Brasilien finden wir das sen-
sationell, hier findet man das furchtbar.“ Stattdessen, so
Krauthäuser, suchten viele heimische Gruppen den Umweg
über die amerikanische Musikkultur. Das Ergebnis seien
moderne Unterhaltungsprodukte, die wenig mit den eigenen
Roots zu tun hätten. Humba Efau will dagegen nicht nur die
Exotik der anderen abbilden, sondern selbst mitten drin
stehen. Kein Multikulti-Projekt, sondern praktizierte Regional-
kultur. Und so stehen bei Humba die archaisch rheinische
Pudelbande neben Kölsch-Rapper Chicken George, die
brasilianische Sambagruppe neben dem Tambourcorps
aus Kirch-Kleintroisdorf und Hochzeitsmusiker aus Istanbul
neben Alpenrockern aus Österreich und der Schäl Sick
Brass Band auf der Bühne.


Mut zum Risiko

Als die erste Humba-Party auf CD gebannt und unters Volk
gebracht wurde, war der Jubel groß. Von allen Seiten schulter-
klopfendes Lob für so viel Engagement. Wirklich gewinnbringend
verkauft hat sich der radikale Musikmix nicht, selbst viele
Humba-Fans griffen letztlich doch lieber auf stilistisch einheit-
lichere CD-Produktionen zurück, so die Erfahrung von Jan
Krauthäuser. Der betont dabei gerne, dass Köln schon immer
ein Melting Pot der Kulturen war. „Typisch Kölsch“ ist die
Mischung. Dass diese Mischung nicht verkrustet, sondern
statt hermetischer Parallelgesellschaften kulturelle Vielfalt
das Gesicht der Stadt prägen, ist Ziel von Humba Efau.
Ein Projekt, das Zeichen setzt und auch außerhalb der
fünften Jahreszeit je nach Anlass aktiviert wird: etwa mit
Touren durch Kölner Schrebergärten, die für Jan Krauthäuser
bewies, „dass Schrebergärtner zum Teil weniger spießig sind
als irgendwelche Rockmusikfans. Schön zu zeigen, dass im
Grunde alles komplizierter und interessanter ist, als man das
manchmal so darstellen möchte.“ Auch das sommerliche Edelweißpiratenfestival, bei dem Bands aus der Region im
Kölner Friedenspark auf Wiesen und unter Bäumen musi-
kalisch der Kölner Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus
gedenken, ist eine Initiative Jan Krauthäusers. Denn Humba
Efau mischt sich auch politisch ein: Als Ende September 2008
„Pro Köln“ unter dem Vorwand des Protestes gegen den
Moscheebau in Köln-Ehrenfeld rechte Gesinnungsgenossen
aus ganz Europa zum sogenannten „Anti-Islamisierungsgipfel“
zusammen trommelte und viele Kölner mit Sitzblockaden, transportunwilligen Taxifahrern und Aufrufen von Kneipen-
wirten „Kein Kölsch für Nazis“ protestierten, stellte Humba
Efau eine eigene Kampagne auf die Beine:
Nicht 11.000 Jungfrauen, sondern 1.100 BauchtänzerInnen
demonstrierten tanzend, dass für braune Hetzparolen in Köln
kein Platz ist. Für Jan Krauthäuser hat gute Kultur viel mit
Mut zum Risiko zu tun. Denn „wenn da kein Risiko ist, dann
entsteht auch kein Knalleffekt und dann gibt es auch nichts
mehr zu entdecken.“
Kontakt: www.folker.de

(Anmerkung: Sehr schöner Artikel! Nur war aus meiner Sicht
der Begriff Narrenlärm, gar nicht negativ gemeint. Es gibt sehr
schönen – und sehr fiesen Lärm! - Jan)


The Power of Jeckness - Der Humba Efau e.V.
Gut 15 Jahre ist es her, dass wir unsere Definition
von Karnevalsmusik erstmals auf die Bühne brachten.
Fasziniert von den Möglichkeiten dieses verrückten,
kölschen Volksfestes, entäuscht von der Ideenarmut,
mit der die fünfte Jahreszeit überwiegend beschallt
wurde, horchten wir nach Alternativen.
Unsere Recherchen, nah und fern, förderten Ermuti-
gendes zu Tage: Direkt unter der verkrusteten Ober-
fläche des kommerziellen Brauchtums wimmelte es
vor kreativen Kräften, die nur darauf warteten, sich
im Rampenlicht zu entfalten: Kegelnde Omas aus Kalk,
Sänger und Perkussionisten aus Afrika und Asien,
Reimer und Rapper aus Mülheim, Lagos und Istanbul
– Blasmusiker, Punker, Sambistas, Elektroniker und
Jazzvirtuosen aus allen Stadt- und Erdteilen.

siehe Humba Aktuell

--------------- Rückblick --------------------------------------

2006 war wohl das bisher aktivste HUMBA-Jahr seit der
informellen Gründung des kölschinternationalen Kultur-
vereins 1994. Nach der Herausgabe der 4. HUMBA-CD
im Januar 06 und der zweitägigen HUMBA-Party im
Februar in Bickendorf war insbesondere der Sommer
reich an musikalischen Höhepunkten.
Zuerst Mitte Juni die großartige zweite Auflage des Edel-
weißpiratenfestivals im Friedenspark und gleich im
Anschluss eine Reihe fröhlicher SommerKöln-Konzerte
im Rahmen der HUMBA-Leichtmatrosentour. Jetzt
heisst es tief durchatmen und neue Formen der Jeckness
entwickeln, auf dass wir für die Session 06/07 wieder
mit schönen Überraschungen aufwarten können.
Ziel des Humba e.V. war und ist die Förderung der
Vielfalt und der Originalität der regionalen Kultur in
Köln und Umgebung. Dabei freuen wir uns über jede
Unterstützung - praktisch, monetär, moralisch oder
künstlerisch ...!
Wer über Aktivitäten (Konzerte etc.) im Umfeld des
HUMBA e.V. informiert werden will, schreibe bitte eine
E-Mail an jan@humba.de.

HUMBA-Leichtmatrosentour im Sommer Köln 2006
Es war einmal ein Häuflein Germanen, die liebten es im
Sommer, am großen Strom zu lagern. Es wurde gefischt,
geflirtet und gesungen - und irgendwann feste Hütten
gebaut. Viel Volk aus aller Welt kam über die Jahre hinzu
gepaddelt und singt und flirtet bis heute an rheinischen
Gestaden.
Die HUMBA-Sommerkonzerttour bot im 6. Jahr im Rahmen
des SommerKöln wunderbare, kölschinternationale Begeg
nungen,»»»»
Leichtmatrosen-Schnappschüsse»»»»

18.06.06 Edelweißpiratenfestival,
ab 14.30 im Kölner Friedenspark, Titustr./Oberländerwall
Nach dem tollen Erfolg unseres ersten Edelweißpiraten-
festivals 2005, möchten wir Euch auch in diesem Jahr
einladen, mit uns im Geiste der Edelweißpiraten zu feiern.
Wie gehabt umsonst und draußen an einem schönen
Sonntagnachmittag mit über 20 Bands und einigen Zeit-
zeugen. Gespannt sind wir auf eine Vielzahl neuer Inter-
pretationen von Edelweißpiratenliedern und auf unseren
kleinen Russlandromantik-Schwerpunkt -
siehe www.edelweisspiratenfestival.de

HUMBA Party 2006 - 24.+25.02.
im MK-Palast, Venloer Str. 891, 50827 Köln-Bickendorf.
Zu unserem kölschen Jubiläum (11 Jahre)
haben wir einige aussergewöhnliche Bands aus Köln und
Umgebung (Pernambuco, Steiermark, Niederrhein, ...)
eingeladen, die uns zum Tanzen, Singen und Staunen
aufspielen werden. Zudem gibt’s folgende HUMBA-
Innovationen: »»»»

Ehrung für die Pudelbande am 24.02.
Die Pudelbande bekommt am 24.02.2006 auf
der Humba-Party, im MK-Palast zu Bickendorf
den 1. Humba-Ehrenpudel verliehen
»»»»

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